Den Gletscher verstehen
Was ist ein Gletscher eigentlich? Warum verändert er sich – und was hat das mit uns zu tun? Hier findest du einfache Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Dachsteingletscher.
Grundlagen
Ein Gletscher ist eine große Eismasse, die aus der Umwandlung von Schnee in Eis entstanden ist. Durch sein Eigengewicht bewegt sich das Eis sehr langsam talwärts.
Zum Dachsteingletscher zählen zwei Gletscher: der Hallstätter Gletscher und der Schladminger Gletscher. Der Hallstätter Gletscher ist besonders von der Region Hallstatt aus gut sichtbar, der Schladminger Gletscher von der steirischen Seite rund um Ramsau am Dachstein.
Schnee verwandelt sich über viele Jahre durch Druck (sein Eigengewicht) zu Eis. Dabei werden die Luftzwischenräume immer kleiner, bis ein dichter Eiskörper entsteht.
Gletscher sind ständig in Bewegung. Wenn sie über unebenes Gelände fließen oder sich Spannungen im Eis lösen, entstehen Risse und Brüche – dabei kann es knacken und knirschen.
Reines Eis absorbiert andere Lichtanteile und lässt vor allem Blau sichtbar werden – ähnlich wie bei Wasser.
Gletscher können sowohl wachsen als auch schrumpfen. Wenn mehr Schnee dazukommt, als schmilzt, wächst der Gletscher. Ist es umgekehrt, zieht er sich zurück.
In der Antarktis kann Eis mehrere Millionen Jahre alt sein. Am Dachstein ist das älteste Eis etwa 3.700 bis 4.300 Jahre alt.
Unter dem Gletscher wird der Fels durch das Eis abgeschliffen und geformt. Gleichzeitig fließt Schmelzwasser ab und wirkt wie ein Schmierfilm, der die Bewegung unterstützt.
Ja – im Eis leben Mikroorganismen und Algen, die sich an extreme Bedingungen angepasst haben.
Gletscherwandel
Steigende Temperaturen führen dazu, dass mehr Eis schmilzt, als durch Schnee neu dazukommt. Gleichzeitig verändern sich Niederschlag und Jahreszeiten.
Der Dachsteingletscher war früher eine zusammenhängende Eisfläche. Seit dem Ende der Kleinen Eiszeit zieht sich das Eis zurück. In den letzten Jahren ist die Verbindung zwischen den beiden Gletschern vollständig verschwunden. Heute treten sie als getrennte Gletscher auf.
Gletscher speichern Informationen über frühere Klimabedingungen. Im Eis lassen sich Temperaturen, Niederschläge und sogar eingeschlossene Luft aus vergangenen Zeiten ablesen. Auch Pollen, Holz oder andere Spuren geben Hinweise auf frühere Lebensräume.
Nein – Gletscher haben sich schon immer verändert. Neu ist jedoch, wie schnell und flächendeckend viele Gletscher heute schrumpfen.
Gletscher reagieren sensibel auf Veränderungen und machen den Klimawandel sichtbar. Gleichzeitig beeinflussen sie den Wasserhaushalt und das Landschaftsbild.
Ja – wenn über längere Zeit mehr Schnee fällt und weniger schmilzt, kann ein Gletscher wieder wachsen.
Dann verändert sich der Wasserhaushalt: Wasser fließt schneller ab und es fehlt die natürliche Speicherfunktion des Eises.
Neue Seen und Flüsse entstehen, die Waldgrenze steigt und Hänge können instabiler werden, weil gefrorener Boden (Permafrost) auftaut.
Geschichte
Der Dachsteingletscher ist ein Rest der letzten Eiszeit. Nach deren Ende vor rund 12.000 Jahren zogen sich die großen Eismassen zurück. Am Dachstein blieben Gletscherfelder erhalten, die sich bis heute – mit vielen Schwankungen – stark verändert haben.
Während der Eiszeiten war der gesamte Gebirgsstock von Eis bedeckt. Nur die höchsten Gipfel wie Dachstein, Gjaidstein und Torstein ragten heraus.
Früher galten die „Schneeberge“ als unwirtlich und unheimlich. Viele Menschen mieden diese Regionen und erzählten sich Geschichten über ihre Gefahren.
Systematische Beobachtungen begannen nach der Kleinen Eiszeit vor etwa 180 Jahren.
Mit dem Rückzug des Eises entstanden Seen, Flüsse und Wälder. Die Landschaft entwickelte sich Schritt für Schritt zu ihrem heutigen Erscheinungsbild.
Der Gletscher & wir
Der Gletscher ist Teil eines größeren Systems. Wenn er sich verändert, wirkt sich das auch auf Wasser, Klima und Landschaft aus – also auf Dinge, die unseren Alltag direkt oder indirekt betreffen. Zum Beispiel verändern sich Wasserverfügbarkeit und Abflussmengen. Flüsse führen zeitweise mehr oder weniger Wasser, Pegel schwanken stärker und natürliche Speicher gehen verloren. Was hier sichtbar wird, passiert nicht nur am Dachstein. Es ist Teil einer Entwicklung, die viele Regionen betrifft.
Gletscher speichern Wasser und geben es über längere Zeiträume wieder ab. So gleichen sie Schwankungen aus – etwa zwischen schneereichen Wintern und trockenen Sommern. Wenn diese Speicher verschwinden, verändern sich diese Abläufe. Das kann Auswirkungen auf Wasserverfügbarkeit, Ökosysteme und die Nutzung von Landschaften haben.
Der Gletscherschwund hängt auch damit zusammen, wie wir Energie nutzen, uns fortbewegen und konsumieren. Im Alltag gibt es viele kleine Entscheidungen, die Einfluss haben – und gemeinsam einen Unterschied machen.