Mess­methoden & Forschungs­ergebnisse

Zu den weiterführenden Links & Downloads
Person mit Forschungsausrüstung auf dem Hallstätter Gletscher im Dachsteinmassiv.

Gletscher sind empfindliche Indikatoren für den Klimawandel. Ihre Entwicklung zeigt sich im Zusammenspiel von Massengewinn und Massenverlust – und damit direkt in der Reaktion auf Wetter und Klima. Um diese Veränderungen zu verstehen, werden am Gletscher unterschiedliche Messmethoden eingesetzt.

Die Messungen erfolgen direkt am Gletscher, ergänzt durch Fernernkundungsmethoden wie Luftbilder, Laserscanning, Satellitenbilder und Drohnenaufnahmen sowie Modellanalysen. So entsteht ein Gesamtbild, das zeigt, wie sich das Eis unter realen Bedingungen verändert. Hier gehts direkt zu den Messmethoden und deren Ergebnissen.

Massenbilanz Längenmessung Eisdickenmessung Schnee- und Niederschlagsdaten

Spezifische Massenbilanz Hallstätter Gletscher 2006 bis 2025

Diagramm der spezifischen Massenbilanz des Hallstätter Gletschers von 2006 bis 2025.
Was ist eine Massenbilanz?

Die Massenbilanz zählt zu den zentralen Messgrößen der Gletscherforschung. Sie beschreibt den jährlichen Unterschied zwischen Massegewinn (Akkumulation) und Masseverlust (Ablation) eines Gletschers und macht Veränderungen von Klima und Wetter unmittelbar sichtbar.
Messungen von Schnee, Eis und Schmelze zeigen dabei, wie sensibel der Gletscher auf Temperatur- und Niederschlagsveränderungen reagiert.

Diese Prozesse finden in unterschiedlichen Bereichen des Gletschers statt:

  • Akkumulationszone: Hier sammelt sich Schnee, der sich mit der Zeit zu Eis verdichtet. Der Gletscher gewinnt an Masse.
  • Ablationszone: Hier verliert der Gletscher an Masse, vor allem durch Schmelzen. Der Gletscher wird kleiner.
Massenbilanz: Das zeigt die Forschung

Die Grafik zeigt die spezifische Massenbilanz des Hallstätter Gletschers seit dem Jahr 2006. Besonders auffällig ist das Zusammenspiel von Winter- und Sommerbilanz: Während schneereiche Winter zeitweise für positive Werte sorgen, führen warme Sommer zunehmend zu starken Masseverlusten. Die Jahresbilanz liegt deshalb in vielen Jahren deutlich im Minus. Vor allem seit den letzten Jahren zeigen die Messdaten eine zunehmende Schmelze und einen langfristigen Rückgang der Gletschermasse.

Am Dachsteingletscher wird die Massenbilanz seit 2006 regelmäßig wissenschaftlich erfasst und dokumentiert. Die Ergebnisse werden im jährlichen Massenbilanzbericht veröffentlicht.

Massenbilanzen im Jahresvergleich

Der Gletscher 2025

2,14 km2

Verbleibende Gletscherfläche des Hallstätter Gletschers im Jahr 2025.

–6,14 Mio. m3

So viel Eismasse (Wasserwert) hat der Hallstätter Gletscher im Messjahr 2024/25 verloren.

–2865 mm

Der gemessene Eisverlust entspricht einer Wasserschicht von rund 2,9 Metern.

Wer noch tiefer in die Gletscherforschung eintauchen möchte, findet hier alle Daten der spezifischen Massenbilanz 2025 auf einen Blick.

Unterschiedliche Messmethoden der Massenbilanz

Bei der direkten glaziologischen Methode wird die Massenbilanz unmittelbar an der Oberfläche des Gletschers gemessen. Erfasst werden dabei sowohl Massengewinn als auch Massenverlust über ein Jahr hinweg.

Die wichtigsten Messungen sind:

  • Schneehöhenmessungen mittels Sonden
  • Bestimmung der Schneedichte in Schneeschächten
  • Messung der Eisschmelze mithilfe von Ablationspegeln

Einfach gesagt:
Man misst direkt am Gletscher, wie viel Schnee dazukommt und wie viel Eis schmilzt.

Der große Vorteil dieser Methode liegt in ihrer unmittelbaren Nähe zur Realität. Sie zeigt direkt, wie ein Gletscher auf die Wetterbedingungen eines Jahres reagiert. Gleichzeitig ist der Aufwand hoch und nicht alle Prozesse im Inneren des Gletschers können erfasst werden.

Am Dachsteingletscher wird diese Methode regelmäßig angewendet. Typische Messungen wie Pegelablesungen oder Schneemessungen werden laufend durchgeführt und im Gletschertagebuch dokumentiert.

Bei der hydrologischen Methode wird die Massenbilanz über den Wasserhaushalt eines Gletschers bestimmt. Grundlage ist das Zusammenspiel von Niederschlag, Abfluss und Verdunstung.

Einfach gesagt:
Man vergleicht, wie viel Wasser in ein Gebiet hineinkommt und wie viel wieder abfließt.

Zusätzlich müssen auch Veränderungen von Wasser berücksichtigt werden, das nicht direkt sichtbar ist, etwa Grundwasser oder Wasser im Inneren des Gletschers.

Die Methode erlaubt eine Abschätzung der Massenbilanz für größere Einzugsgebiete. In der Praxis ist ihre Anwendung jedoch anspruchsvoll.

Niederschlag lässt sich in Hochgebirgsregionen nur schwer genau erfassen, und auch die Messung des Abflusses ist aufwendig. Zudem sind Annahmen zu Verdunstung und unterirdischen Wasserströmen notwendig.

In Karstgebieten wie dem Dachstein ist die Anwendung zusätzlich eingeschränkt, da Wasserflüsse im Untergrund schwer nachvollziehbar sind. Die hydrologische Methode liefert daher eher grobe Abschätzungen und ist für einzelne Gletscher nur bedingt geeignet.

Bei der geodätischen Methode wird die Veränderung des Gletschers über seine Form und Höhe bestimmt.
Dazu werden Höhenmodelle des Gletschers zu zwei Zeitpunkten miteinander verglichen. Aus der Differenz lässt sich die Veränderung des Volumens berechnen und daraus die Massenänderung ableiten.

Einfach gesagt:
Man vergleicht, wie „hoch“ der Gletscher früher war und wie „hoch“ er heute ist.

Dabei ist zu beachten, dass Veränderungen nicht ausschließlich durch Schmelzen entstehen. Auch die Bewegung des Eises kann dazu führen, dass sich die Oberfläche hebt oder senkt.

Die Methode erfasst den gesamten Gletscher und ermöglicht eine hohe räumliche Genauigkeit. Die Auswertung ist jedoch komplex, da sich die Dynamik des Gletschers auf die Ergebnisse auswirkt. Zudem beziehen sich die Analysen meist auf längere Zeiträume.

Am Dachsteingletscher wird die geodätische Methode ergänzend eingesetzt. Höhenmodelle aus Luftbildern oder Drohnenaufnahmen werden miteinander verglichen, um Veränderungen der Oberfläche und des Volumens über längere Zeiträume zu erfassen.

Bei modellbasierten Methoden wird die Massenbilanz eines Gletschers mithilfe von Rechenmodellen bestimmt.
Diese Modelle simulieren das Verhalten des Gletschers im Zusammenspiel mit Wetter und Klima.

Einfach gesagt:
Man berechnet, wie sich ein Gletscher entwickelt – basierend auf Wetterdaten. Zum Einsatz kommen unterschiedliche Ansätze.

Einfachere Modelle arbeiten mit Temperaturwerten, während komplexere Modelle zusätzlich Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Wind oder die Reflexion der Oberfläche berücksichtigen. Die Ergebnisse hängen stark von den verfügbaren Daten ab.

Vor allem die räumliche Verteilung von Niederschlag lässt sich in Gebirgsregionen oft nur ungenau abbilden.

Damit die Modelle verlässliche Ergebnisse liefern, müssen sie mit Messdaten aus der Praxis abgeglichen und kalibriert werden.

Modelle unterstützen die Interpretation der Messungen, können diese jedoch nicht ersetzen. Am Dachsteingletscher werden modellbasierte Methoden eingesetzt, um Messdaten einzuordnen und Entwicklungen besser zu verstehen. Sie ermöglichen es, Veränderungen über längere Zeiträume zu untersuchen und zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.

Neben der Massenbilanz liefern weitere Messungen wichtige Einblicke in die Entwicklung des Gletschers.

Messstab zur Messung der Eisabschmelzung
Feldarbeiten zur Ermittlung der Massenbilanz
Vermessung an den Pegelpunkten
Untersuchung der Schneedecke im Schneeschacht
Georadar zur Messung der Eisdicke
Feldarbeiten auf dem Hallstätter Gletscher
Messung der Schneedichte im Schneeschacht

Jährliche Längenänderung der 4 Dachsteingletscher

Diagramm der jährlichen Längenänderung der vier Dachsteingletscher.
Was ist die Längenmessung?


Die Längenmessung erfasst die Veränderung der Gletscherzunge über die Zeit. Dazu wird einmal pro Jahr die Position des Gletscherendes bestimmt.
Als Referenz dienen festgelegte Messpunkte, die über viele Jahre hinweg unverändert bleiben.

Die Längenmessung gehört zu den ältesten Methoden der Gletscherbeobachtung und liefert gut vergleichbare Zeitreihen. Sie zeigt jedoch nur einen Teil der Entwicklung, da Veränderungen im Inneren des Gletschers unberücksichtigt bleiben.

Längenmessung: Das zeigt die Forschung

Seit 1981 ziehen sich die Dachsteingletscher zurück. Besonders stark betroffen ist der Hallstätter Gletscher, dessen Zunge sich in den letzten Jahrzehnten um mehrere hundert Meter verkürzt hat. Vor allem in den vergangenen Jahren hat sich dieser Rückgang deutlich beschleunigt. Verantwortlich dafür sind die steigenden Temperaturen, längere Schmelzperioden und kürzer werdende Phasen mit Schneebedeckung.

Am Dachsteingletscher wird die Längenmessung regelmäßig durchgeführt und im Gletschertagebuch festgehalten.

Vermessung eines Messpunkts zur Bestimmung der Gletscherlänge
Dokumentation der Gletscherstirn
Bestimmung eines Messpunkts an der Gletscherstirn
Gletscherzunge des Großen Gosaugletschers
Messpunkt am Gletscherrand
Längenmessung des Hallstätter Gletscher
Auch Wildtiere begleiten das Forschungsteam bei der Dokumentation der Längenänderung
Diagramm der Eisdickenentwicklung 2025
Was ist die Eisdickenmessung?



Die Eisdickenmessung erfasst die Dicke des Gletschereises in vertikaler Richtung. Dazu werden Radarmessungen eingesetzt, bei denen Signale durch das Eis gesendet und an der Gletscherbasis reflektiert werden. Aus der Laufzeit der Signale lässt sich die Eisdicke bestimmen.

Die Messungen können direkt am Gletscher oder aus der Luft durchgeführt werden. Die Eisdicke liefert wichtige Informationen über das gesamte Volumen eines Gletschers. Da solche Messungen technisch aufwendig sind, liegen meist nur punktuelle Daten vor.

Eisdickenmessung: Das zeigt die Forschung 


Die Messungen der Eisdicke zeigen, dass der Hallstätter Gletscher zunehmend dünner wird. Besonders in den unteren Bereichen verliert das Eis derzeit etwa zwei bis fünf Meter pro Jahr. Während früher in einzelnen Bereichen noch Eisdicken von über 130 Metern gemessen wurden, bleiben heute selbst in den tiefsten Bereichen nur noch rund 80 Meter Eis erhalten. Dadurch treten Felsbereiche immer stärker hervor und der Gletscher verliert zunehmend seinen Zusammenhang.

Am Dachsteingletscher werden Eisdickenmessungen in unregelmäßigen Abständen durchgeführt und im Gletschertagebuch dokumentiert. Sie geben Einblick in den Aufbau und die langfristige Entwicklung des Gletschers.

Eisdickenmessung mit Georadar
Auswertung der Eisdickenmessung 2009
Messprofile der Eisdickenmessung
Georadarmessung zur Bestimmung der Eisdicke

Niederschlagssummen 2024/25 im Vergleich zum statistischen Mittelwert 2006 bis 2025

Diagramm der monatlichen Niederschlagssummen 2024/25 im Vergleich zum statistischen Mittelwert von 2006 bis 2025.
Wozu dienen Witterungsdaten?


Schnee- und Niederschlagsdaten sind zentrale Grundlagen für das Verständnis der Gletscherentwicklung. Sie bestimmen maßgeblich, wie viel Masse ein Gletscher im Jahresverlauf gewinnt oder verliert.

Die Schneeverteilung zeigt, wo und in welcher Menge sich Schnee am Gletscher ablagert. Sie wird durch Webcams, Radar- und Satellitendaten sowie durch Messungen vor Ort erfasst.
Niederschlagsdaten werden an Messstationen erhoben und als Zeitreihen ausgewertet.

Witterungsdaten: Das zeigt die Forschung 


Die Messdaten zeigen starke Unterschiede zwischen den einzelnen Monaten. Besonders in den Sommermonaten treten häufig höhere Niederschlagsmengen auf, während gleichzeitig steigende Temperaturen die Schneeschmelze verstärken. Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge des Niederschlags, sondern auch die Form: Fällt Niederschlag als Schnee, kann sich der Gletscher stabilisieren. Fällt er als Regen, verstärken sich Schmelze und Eisverlust zusätzlich.

Am Dachsteingletscher stehen dafür unter anderem Daten der Messstation an der Simonyhütte zur Verfügung. Sie helfen, aktuelle Entwicklungen einzuordnen und die Massenbilanz besser zu verstehen.

Untersuchung der Schneedecke im Schneeschacht
Niederschlagsmessstation im Gletschervorfeld
Messung der Schneehöhe mittels Sonde
Wartung der Niederschlagsmessstation
Erhebung der Schneehöhe im Gelände
Schneesondierung auf dem Gletscher